20 ноября 2008
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Wladimir Andrianov: Die grundlegenden Konzeptionen zur Regulierung der Wirtschaft: Der Merkantilismus

Die Quellen der konomischen Kenntnisse liegen in der Zeit der Sklavenhaltergesellschaft, in den altgyptischen Texten auf Papyrus, in den in Keilschrift auf Steintafeln verewigten Gesetze des Babylonischen Herrschers Hammurapi (1792- 1750 v.u.Z.), in den altindischen Veda - jenen Sammlungen religiser Hymnen (Ende des zweiten, Anfang des ersten Jahrtausends v.u.Z.).
Die theoretischen Grundlagen der konomie als Wissenschaft sind in den Arbeiten des groen Denkers der antiken Welt, Aristoteles, zu finden.

Historische Erluterung: Aristoteles (384 - 322 v.u.Z.) gab fr seine Zeit eine tiefgehende Analyse der wesentlichen konomischen Kategorien, darunter der Ware, des Geldes, erster Formen des Kapitals und andere.
In der Arbeit Nikomachische Ethik wies er zum ersten Mal auf zwei Grundlagen von Warenbeziehungen hin - Arbeit und Bedarf - womit er fr viele Jahrhunderte die Diskussionsrichtung hinsichtlich ihrer Natur bestimmte.

Die erste konomische Schule - der Merkantilismus (vom italienischen Wort mercante - Hndler, Kaufmann) - entstand erst Ende des 16. Jahrhunderts und entwickelte sich bis Mitte des 18. Jahrhunderts.
Der Merkantilismus muss als Vorlufer der Wirtschaftswissenschaft angesehen werden.
Charakteristisch fr die Methodologie des Merkantilismus ist die Anwendung des Historismus und des Empirismus, die eine Beschreibung der Fakten des Wirtschaftslebens und Statistiken erlaubten und die philosophischen Ideen von Bacon, Hobbes, Locke und anderen weiterentwickelten.
Der Merkantilismus untersucht die wirtschaftliche Entwicklung der Lnder in der Epoche der ursprnglichen Akkumulation des Kapitals.
Die Merkantilisten betrachteten den Handel als Hauptquelle des Reichtums, und das Geld, Gold, Silber und sowie Edelsteine als die wahren Schtze.
Die fr die Merkantilisten typische Gleichsetzung des Reichtums mit dem Geld fhrte sie zu der Schlussfolgerung, dass auch der Staat umso reicher ist, je mehr Geld (selbstverstndlich vollwertiges, also Gold oder Silber) er hat.
Die Anhufung von Geldreichtum kann mit Hilfe der Staatsmacht erreicht werden. Deshalb haben die Vertreter der Schule des Merkantilismus die Notwendigkeit einer aktiven staatlichen Wirtschaftspolitik begrndet.
Die Theorie des frhen (oder Geld-) Merkantilismus schlug den Staaten vor, ein System von Manahmen einzufhren, die darauf gerichtet sind, das Geld im Lande zu behalten. Zu diesen Manahmen gehrten:
ein Ausfuhrverbot fr Geld;
die Einfhrung eines staatlichen Monopols fr den Devisenhandel;
die Schaffung von Lagerpltzen fr den Handel mit auslndischen Waren;
die Verpflichtung fr alle Auslnder, die beim Verkauf von Waren erhaltenen Gelder fr den Kauf von einheimischen Gtern verwenden.

Der in jener Periode von ihnen vorgeschlagene und von den europischen Lndern umgesetzte Komplex von Manahmen fhrte zur Errichtung des marktkapitalistischen Systems.

Historische Erluterung: Die Ideen des Merkantilismus verbreiteten sich vor allem in den westeuropischen Lndern - England, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und anderen.
In England verteidigte der Wirtschaftsgelehrte William Stanford die Ideen des Geld-Merkantilismus in seiner bekannten Arbeit Kritische Darlegung einiger Beschwerden unserer Mitbrger(1581.)
In Frankreich war der bekannteste Vertreter dieser Richtung Antoine de Montchretien (1575 - 1621) der erstmals den Begriff Politische konomie (vom griechischen Wort politicos - staatlich, gesellschaftlich und konomie - Fhrung der Hauswirtschaft) in der Arbeit Traktat zur politischen konomie, gewidmet dem Knig und der Knigin. (1615) verwendete.
Er prgte damit die Bezeichnung fr eine neue Wissenschaft und bestimmte ihren Gegenstand als Sammlung praktischer Regeln fr die wirtschaftliche Ttigkeit. Montchretien lie eine aktive Einmischung der Regierung in das Wirtschaftleben des Landes zu, nannte als wichtigste der staatlichen Aufgaben die Vergrerung von Macht und Reichtum des Staates mittels Umsetzung des Programms eines militanten Merkantilismus.
Auerdem wurde die Idee des Merkantilismus in Frankreich erfolgreich von Jean-Baptiste Colbert (1619-1683) weiterentwickelt, der zwischen 1661 und 1683 ein ganzes System protektionistischer Manahmen ausarbeitete. Dieses System bekam dann auch seinen Namen - Colbertismus. Er wurde so zum Vorreiter einer protektionistischen Politik.
Die Politik Heinrichs VI. trug zur Entwicklung des Auenhandels bei, zum Abschluss von Handelsvertrgen mit England, Italien, Spanien. Verboten waren die Ausfuhr wertvoller Rohstoffe und die Einfuhr von Textilerzeugnissen. Mit Hilfe von Subventionen und Privilegien wurde die Manufakturproduktion verschiedener Erzeugnisse stimuliert. Die Kolonialisierung Kanadas wurde vorangetrieben.
In Italien waren die aufflligsten Merkantilisten Antonio Serra (Kurzes Traktat ber die Mittel, Knigreiche ohne Lagersttten fr Edelmetalle mit Gold und Silber zu versorgen, 1613) sowie der Philosoph und konom Gasparo Scaruffi.

Allerdings hatte die Anhufung von Reichtum als Selbstzweck einen negativen Einfluss auf viele Lnder. Insbesondere Spanien und Portugal, die Schiffsladungen mit lateinamerikanischem Gold ber den Atlantik brachten, befanden sich in einer tiefen wirtschaftlichen Krise, die spter von den konomen vergoldete Armut genannt wurde.
In der zweiten Hlfte des 16. Jahrhunderts entwickelt sich der so genannte spte oder Manufaktur-Merkantilismus. Es war die Zeit der Ernte der Frchte der bedeutenden geografischen Entdeckungen, des Abschlusses der Herausbildung absoluter Monarchien sowie des Wachstums der wirtschaftlichen Kraft der Handelsbourgeoisie.
Die staatliche Wirtschaftpolitik verlagerte sich in den Bereich des Handels, zur wichtigsten Aufgabe wird das Erreichen einer aktiven Handelsbilanz.

Historische Erluterung: Der fhrende Vertreter des spten Merkantilismus war der Englnder Thomas Mun (1571 - 1641). In seinem Hauptwerk Der Reichtum Englands im Auenhandel, oder die Balance unseres Handels als Regulator unseres Reichtums (1664) bewies er, dass die Vergrerung der Geldmenge im Lande nicht durch ein Verbot ihrer Ausfuhr erreicht werden kann, sondern durch eine aktive Auenhandelsbilanz, das heit durch einen berschuss des Exports gegenber dem Import. Er untersuchte die Rolle des Geldes als wichtigem Ausgangspunkt des Kreislaufes Geld-Ware-Geld (G-W-G) im Auenhandel.
Die Ideen Thomas Muns wurden von seinem Landsmann James Stewart in dessen bekannter Arbeit Untersuchungen zu den Anfngen der politischen konomie (1767) weiterentwickelt.


Der Staat ist, wie die Vertreter des spten Merkantilismus behaupteten, umso reicher, je grer der Unterschied zwischen dem Wert der ausgefhrten und eingefhrten Waren ist.
Vorgeschlagen wurden zwei Vorgehensweisen, um diesen Unterschied zu erreichen. Erstens durch die Warenausfuhr, wobei nur der Export von Fertigerzeugnissen erlaubt war (bei ihrem Verkauf konnte ein grerer Erls erzielt werden als beim Rohstoffexport), untersagt war auch der Export von Luxusgtern.
Zweitens konnte eine solche Spanne durch den Zwischenhandel gewhrleistet werden, wofr die Geldausfuhr erlaubt wurde. Dabei zeichnete sich ein Prinzip ab: In dem einem Land kann billiger eingekauft werden, in einem anderen lsst sich teurer verkaufen.
Zum Erzielen einer aktiven Handelsbilanz und der Gewinnung von Auenmrkten musste die Regierung die Einfuhr durch Steuern auf auslndische Waren regulieren und den Export frdern, indem vor allem jene Unternehmer prmiert wurden, deren Erzeugnisse sich auf den Auenmrkten groer Nachfrage erfreuten.
Mit diesem Ziel, aber auch, um das Land von dem Zwang zu befreien, Industriewaren importieren zu mssen, wurde angeregt, die Entwicklung der Industrie, insbesondere der Manufakturen, zu frdern.
Der Staat in England, Frankreich, Holland, Venedig ermunterte mit seiner Wirtschaftspolitik die Kaufleute, Unternehmer zu werden.
Es wurden neue Gesetze verabschiedet, mit denen die Entwicklung der Industrieproduktion stimuliert wurde. Die Industrieunternehmen wurden von Steuern befreit, erhielten Subventionen und vergnstigte Kredite.
Staatliche Betriebe wurden in private Hnde gegeben. Das war das erste Beispiel fr einen Privatisierungsprozess.
Eine solche Wirtschaftspolitik erlaubte es England, Frankreich und Holland in der Industrieentwicklung voranzustrmen. England wurde die grte Werkstatt der Welt. Das Geld wurde allmhlich zu einem Ausdruck des Wertes.
Die Ideen des Merkantilismus bildeten die theoretische Basis einer Staatspolitik, die Protektionismus genannt wurde und auf die Frderung der einheimischen Wirtschaft, ihren Schutz vor auslndischer Konkurrenz sowie auf die Erweiterung der Mrkte fr den Absatz der eigenen Waren gerichtet war.
Vom 17. Jahrhundert bis in unsere heutige Zeit gab es faktisch keinen Staat auf der Welt, der unter bestimmten Bedingungen nicht Zuflucht in einer protektionistischen Wirtschaftspolitik gesucht htte.
Ein krftiger Antrieb fr die Entwicklung der Industrieproduktion in den europischen Lndern war der bergang vom spten Merkantilismus zur liberalen Wirtschaftstheorie des Kapitalismus der freien Konkurrenz.


Die Entwicklung der Konzeption des Merkantilismus in Russland

Im 17. Jahrhundert begann eine neue Etappe in der Entwicklung des russischen Wirtschaftsdenkens. Es wurden Versuche unternommen, theoretisch die Notwendigkeit zu begrnden, den konomischen Rckstand Russlands hinter den europischen Staaten aufzuholen sowie Wirtschaftsreformen einzuleiten.
In dieser Zeit bildet sich ein gesamtrussischer Markt heraus, was sich zeigte in
einer Vergrerung der urbar gemachten Bodenflchen
einer Umwandlung des Handwerks in eine kleine Warenproduktion
der Einfhrung einer Groproduktion in Form der Manufakturen
einer wachsenden Rolle der Kaufmannschaft
einer Vergrerung des Umfangs von Binnen- und Auenhandel.
Der Staat stellt die Aufgabe, der Kasse Edelmetalle zuzufhren, trotz und wegen des Fehlens eigener Fundsttten, und geht so allmhlich zu einer merkantilistischen Politik ber.
Mehrere Politiker traten mit einer theoretischen Begrndung des Merkantilismus auf. Um den konomischen Rckstand des Landes aufzuholen und seine Selbstndigkeit zu sichern, schlugen sie Wirtschaftsreformen vor.
Unter den ersten Vertretern eines russischen Merkantilismus ist der der Adlige Afanassi Lawrentjewitsch Ordin-Naschtschokin hervorzuheben.

Historische Erluterung: Afanassi Lawrentjewitsch Ordin-Naschtschokin (etwa 1605 - 1680) diente im Range eines Botschafters im Amt fr Auswrtige Angelegenheiten, war Grogrundbesitzer und ein gebildeter Mensch, der u.a. Latein, Deutsch, Polnisch beherrschte.
Er verfasste die Neue Handelssatzung von 1667, welche die weitere Ausrichtung der Auenhandelspolitik bestimmte und leistete einen bedeutenden Beitrag zur Ausarbeitung der russischen Handelsgesetzgebung.

Ordin-Naschtschokin verwirklichte eine Reihe konkreter Manahmen, u.a. in Handel, Industrie sowie beim Aufbau einer Verwaltung des Staates.
Groe Aufmerksamkeit widmete er der Strkung eines zentralisierten staatlichen Verwaltungsapparates und kmpfte gegen die Regionalherrschaft der Bojaren.
Er versuchte, in Pskow eine stdtische Selbstverwaltung einzufhren und schlug Manahmen gegen die bermacht der auslndischen Hndler vor.
Besondere Bedeutung ma Ordin-Naschtschokin der Entwicklung des Handels bei, den er fr die wichtigste Quelle der Staatseinknfte und einen der Wege zur Hebung des Volkswohlstandes hielt.
Er setzte sich fr einen freien Handel ein, gegen die Privilegien fr auslndische Hndler, Aufkufer usw., welche die Handelsttigkeit der einheimischen Kaufleute einschrnkten.
Mit seinem Namen ist die Ausarbeitung der Neuen Handelssatzung von 1667 verbunden. Im Vorwort zur Satzung rief Ordin-Naschtschokin die russischen Kaufleute zur Grndung von Handelsgesellschaften auf, um stabile und hohe Preise fr russische Waren festzulegen und mit den auslndischen Kaufleuten zu konkurrieren.
Die Satzung umfasste Fragen der Organisation von Steuerauflagen, ebenso Paragraphen, die den auslndischen Handel regulierten. Damit formulierte Ordin-Naschtschokin faktisch die Grundlagen eines Zoll-Protektionismus.
Nach der Satzung hatten auslndische Kaufleute die Zollgebhren ausschlielich in auslndischer Whrung zu bezahlen, was der Staatskasse fremde Silberlinge bescherte.
Der Auslnder musste Rubelzoll (6%) und Durchfahrtgebhren (10%) bezahlen, wobei die auslndische Whrung von der Staatskasse zu einem verringerten Kurs berechnet wurde. Gleichzeitig mussten die russischen Hndler nur den Rubelzoll zu einem ermigten Satz (5%) entrichten.
Daneben sah die Satzung zur Entwicklung eines profitablen Handels mit dem Ausland eine Differenzierung der Zlle in Abhngigkeit von der Warenart vor. Mit Hilfe der Zlle wurde die Einfuhr von Waren begrenzt und der Export gefrdert.
Die russischen Hndler konnten fr das Geld, das sie fr den Exportverkauf ihrer Erzeugnisse erhielten, zollfrei auslndische Waren kaufen.
Auerdem wurde der Handel territorial begrenzt. Auslnder waren bei der Auswahl ihrer russischen Agenten eingeschrnkt - so war es verboten, miteinander Handel zu treiben, bei einem Versto drohte die Beschlagnahme der Waren, verboten waren ihnen auch der Einzelhandel sowie der zollfreie Handel untereinander.
Ordin-Naschtschokin schlug vor, den Handel mit Auslndern auf zwei Messen zu beschrnken, aber einen freien und zollfreien Handel zu organisieren.
Auf diese Weise wurde das Streben nach Edelmetall und dessen Bewahrung im Lande, nach Begnstigung von einheimischem Handel und Kaufmannschaft, nach einer positiven Handelsbilanz zum Ziel der Zollpolitik.
Als Ausgleich fr den Einnahmeverlust der Staatskasse infolge der Zollbefreiung verfgte er eine Einzahlung in die Staatskasse im Umfang eines Drittels der Summe in Silbergeld und auslndischer Whrung, die von den Auslndern fr den Kauf von Waren ausgegeben wurde.
In der Neuen Handelssatzung sind auch die Prinzipien der Finanzpolitik formuliert. Eingefhrt wurden strenge Reglements fr den Handel und die Kontrolle ber die Ein- und Ausfuhr von Gold und Silber mit dem Ziel der Gewhrleistung einer aktiven Geldbilanz.
Ordin-Naschtschokin versuchte ein System der Handelskreditierung zu organisieren, vor allem indem er anregte, ein Kreisverwaltungshaus zu schaffen, welches u.a. Aufgaben einer Bank erfllen sollte.
Merkantilistische Ideen sind auch in den Aufstzen eines des ersten russischen konomen - Juri Krishanitsch - enthalten.

Historische Erluterung:
Anfangs hatte Juri Krishanitsch (1617 - 1683) im Staatsdienst die Aufgabe, eine russische Grammatik und ein Wrterbuch zusammenzustellen.
Whrend eines langen Aufenthaltes in Russland schrieb er Politische Gedanken (Politik), in denen er die Frage der Mittel zur Steigerung des Reichtums im Lande behandelte, wobei er auf einer Einmischung des Staates in das Wirtschaftsleben bestand.

Krishanitsch forderte eine Begrenzung des Handels der auslndischen Kaufleute, die Organisierung eines staatlichen Handels, die Bereitstellung von zinslosen Krediten fr die Kaufleute und die Verhinderung der Ausfuhr von industriellen Rohstoffen.
Die damaligen Aufrufe Juri Krishanitschs an die russischen Regierenden, geschrieben vor ber 300 Jahren, haben nichts an Aktualitt eingebt und knnen voll und ganz auch an die heutigen Staatslenker gerichtet werden.
So fhren, dass es nicht zum Wohle dessen ist, der regiert; alle Umgestaltungen so vorzunehmen, dass das Leben unbedingt glcklicher wird und das Volk reicher; seinen Weg suchen und an den glcklichen Stern Russlands glauben, das der Herr nicht ohne seine Gnade lsst.
Einer der ersten russischen Merkantilisten, die ein System konomischer Blickweisen lieferten, war Iwan Tichonowitsch Possoschkow.

Historische Erluterung: Possoschkow (1652 - 1726) stammte aus einer Handwerkerfamilie. Er wurde Meister am Mnzhof, er besa eine Schnapsfabrik und ein kleines Landgut. Zudem war er ein talentierter Schriftsteller. Die ersten Werke Possoschkows waren der Geld- und der Militrreform gewidmet.
Im Alter von 72 Jahren (1724) schrieb er Das Buch von der Armut und dem Reichtum. Dies ist die Kundgabe, woher die nutzlose Armut rhrt und wovon sich der ppige Reichtum mehrt
Diese Schrift gehrt mit Recht zu den fortschrittlichsten Werken der konomischen Literatur in der Welt ber den Merkantilismus. Das Buch wurde lange vor dem Erscheinen des bekannten Werkes von Adam Smith Untersuchungen zur Natur und den Grnden des Reichtums der Vlker (1776) geschrieben. Das Buch besteht aus neun Kapiteln und enthlt Projekte, die zur Wirtschaft, dem Staatsaufbau, dem kirchlichen Leben und der Bildung gehren.
Der sachliche oder materielle Reichtum, setzt sich, dem Grunde nach, aus dem Reichtum des Zaren und dem Reichtum des gesamten Volkes zusammen, wobei der Grund und Boden fr den Zaren der reichste Zahler ist.
Ein besonderer Reichtum Russlands war fr Possoschkow die christliche Nchstenliebe, die er als Krone des nicht gegenstndlichen Reichtums der Wahrheit und als Grundlage einer stabilen Entwicklung der russischen Staatlichkeit ansah.
Die genannte Arbeit war die erste in Russland, in der neben geistlichen Problemen konomische Fragen behandelt wurden.
Possoschkow schlug als Erster fr die damalige Zeit fortschrittliche wirtschaftliche Umgestaltungen vor. Das Buch Possoschkows wurde erst 1848 verffentlicht.

Possoschkow erklrte den Reichtum fr das ganze Volk zur Aufgabe der Wirtschaftspolitik.
Zur Entwicklung der Industrie beabsichtigte Possoschkow
den Bau von Betrieben auf Staatskosten mit anschlieender bergabe in private Hnde;
die Entwicklung einer Kleinindustrie und ihre Reglementierung, die Einfhrung des Zunftwesens;
die Frderung des Erfindertums;
die Erkundung von Bodenschtzen.

Nach seiner Meinung wrde die Umsetzung einer solchen Politik die Respektierung des Geldes im Lande bewirken.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Possoschkow dem Auenhandel. Er meinte, dass der Handel das Monopol der Kaufleute sein sollte. Zum Zwecke eines organisierten Handels mit auslndischen Kaufleuten schlug er die Vereinigung der russischen Kaufmannschaft in einer Gesellschaft unter der allgemeinen Beobachtung und dem Schutz der Regierung vor.
Auerdem trat er fr die territoriale Beschrnkung des auslndischen Handels, das Halten hoher Preise auf Exportwaren, die Beendigung des Exports von Industrierohstoffen und die Erweiterung des Exports von Fertigprodukten ein.
Im Binnenhandel sprach sich Possoschkow fr eine dekretierte Aufstellung von Festpreisen und gegen ein Markt-Spiel der Preise aus.
Im Finanzbereich widmete Possoschkow dem Geld und dem Geldumlauf besondere Aufmerksamkeit. Er war Nominalist und meinte, dass der Wert des Geldes von der Staatsmacht abhngt.
Er dachte, dass der Zar nach seinem Willen den Wert der Mnzen festlegt, unabhngig von ihrem Metallgehalt.
Wenn durch einen Erlass auf eine zaristische Kupfermnze eine Rubelprgung gestanzt wird, dann wird sie fr immer als Rubel im Umlauf sein, meinte Possoschkow. Er hielt das Geld fr ein Werk des Staates, dessen Wert vom Gesetz bestimmt wird.
Im Rahmen der Geldreform beabsichtigte Possoschkow die Ausgabe von Mnzen aus reinem Silber, die Verringerung der Metallmenge in der Mnze, die Umwandlung der Kupfermnzen in Kleingeld.
Bei den Staatseinnahmen rief Possoschkow zu einer Verringerung der Steuern bei den Bauern und die Einfhrung einer Besteuerung der Adligen auf.
Die Entwicklung Russlands im 17. Jahrhundert, die zu einer wirtschaftlichen und politischen Vereinigung des Landes fhrte, schuf die Voraussetzungen fr konomische Umgestaltungen.
Sie wurden im ersten Viertel des 18. Jh. durchgefhrt, unter der Regentschaft Peters I., der in der Praxis eine Wirtschaftspolitik betrieb, die von den Prinzipien des spten Merkantilismus geprgt war.
Anerkannt wurde die Bedeutung der Industrieentwicklung, die auf die Verdrngung der auslndischen Waren vom russischen Markt gerichtet war, auf die Frderung des Exports russischer Industrieerzeugnisse und das Erzielen einer positiven Handelsbilanz.
Dabei war eine unbegrenzte Einmischung des Staates in das Leben der Untertanen vorgesehen, eine strenge Regulierung der wirtschaftlichen Ttigkeit sowie eine zwangsweise Vormundschaft.
Die Realisierung der Prinzipien einer solchen Politik widerspiegelte sich
in der Schaffung einer Groindustrie;
dem Anschluss der baltischen Hfen;
im Aufschwung der landwirtschaftlichen Produktion (Einfhrung besserer Kulturen, Verbesserung der Viehzucht, Erweiterung des hfischen Grundbesitzes, Vernderung der Formen des Grundbesitzes);
in der Entwicklung der Gesellschaftsformen der Unternehmen; in dem Einsatz von Kronbauern in Manufakturen fr Hilfsarbeiten.

Die Auenwirtschaftspolitik beruhte auf einem System der Reglementierung, Bevormundung und Kontrolle des Handels.
Die Hauptgebiete des Auenhandels waren durch die Staatskasse monopolisiert. Um Geld einzunehmen und es im Lande zu behalten, aber auch zur Untersttzung der Groindustrie, wurden die Zollgebhren genutzt.
Im Jahre 1724 wurde in Russland der erste russische Zolltarif herausgegeben. Die Gebhren waren differenziert, in auslndischer Whrung zu bezahlen und wurden von der Staatskasse zu einem niedrigeren Kurs angenommen.
Die Finanzpolitik erlaubte die Durchfhrung einer Reihe von Manahmen:
erstmals eine eigene Silberfrderung zu organisieren;
die Ausfuhr von Gold und Silber zu verbieten
die Ausgabe von Silbermnzen, darunter neue Nominalien,
zu erweitern sowie Silberrubel herauszugeben.

den Silbergehalt der Mnze zu verringern und die kleinen Silbermnzen gegen kupferne auszutauschen;
die Ausgabe von Kupfermnzen zu erweitern, um die Einnahmen der Staatskasse zu erhhen;
Gold und Silber dem freien Umlauf im Binnenhandel zu entziehen
die Hndler zu verpflichten, der Staatskasse im Austausch gegen Mnzgeld zu einem festgelegten Kurs alles Gold und Silber abzugeben, das sie beim Verkauf ihrer Waren erhalten hatten;
zu einer Erstellung des Staatshaushaltes in Form allgemeiner Haushaltsrechnungen ber Einnahmen und Ausgaben des Staates berzugehen;
ein System der zentralen staatlichen Leitung in Form von Kollegien zu schaffen;
eine Steuerreform durchzufhren.

Nach einem Erlass von Peter I. wurden in der Akademie der Wissenschaft die Wirtschaftswissenschaften als Lehr- und Forschungsgebiet eingefhrt.
Die Reformen spielten eine groe Rolle in der historischen Entwicklung des Landes.
Aktiven Anteil an der Durchfhrung der Reformen von Peter I. hatten die Hofideologen, unter denen F.S. Saltykow, A.P. Wolynsky und W.I. Tatischtschew hervorzuheben sind.

Historische Erluterung: Der russische Staatsbeamte Fjodor Stepanowitsch Saltykow (Geburtsjahr unbekannt - 1715) erlernte die Seefahrtkunde in Holland und England. Er leitete den russischen Schiffbau. Von 1711 an befand er sich im Ausland, um Schiffe zu kaufen.

Saltykow bereitete Entwrfe von Zarenerlssen vor, die auf das Herausfhren Russlands aus der konomischen und kulturellen Rckstndigkeit zielten, aber ebenso auf die Vergrerung der Staatseinnahmen und die Erschlieung neuer Einnahmequellen.

Sie enthielten Vorschlge zur
Erweiterung des Baus von Manufakturen;
Ansiedlung der Manufakturen nahe der Rohstoffquellen;
Entwicklung der einheimischen Industrie zum Einsparen von Geldern zum Kauf von Waren im Ausland und zur Vergrerung der Staatseinnahmen durch die Ausfuhr eigener Waren in andere Lnder;
Erhhung der vom Klerus zu zahlenden Steuern und
Einfhrung einer Kopfsteuer von den Pfahlbrgern zur Auffllung der Staatskasse.

Saltykow trat fr die Entwicklung des Auenhandels mit England, Holland, Persien und China ein sowie fr die Erschlieung des nrdlichen Seeweges zur Ausdehnung des Handels mit den stlichen Staaten.
Ein anderer Ideologe der Reformen von Peter I., Artemij Wolynsky, konkretisierte die Gesetzgebung zur Landwirtschaft.

Historische Erluterung: Artemij Petrowitsch Wolynski (1689 - 1740) ging den Weg vom Gesandten in Persien zum Minister. Er ist Verfasser der Instruktionen, einer praktischen Anleitung zur Verwaltung von Gutsbesitz.

In seinen Arbeiten beschrieb Wolynski die Bewirtschaftung von Landgtern und die Organisierung von Adligenwirtschaften. Er formulierte konkrete Vorschlge zur Erhhung der Effektivitt der landwirtschaftlichen Produktion.
Ein Anhnger des feudalen Absolutismus war Wassili Tatischtschew. In seinen Arbeiten begrndete er die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Ungleichheit und verteidigte die Leibeigenschaft.

Historische Erluterung: Wassili Nikitisch Tatischtschew (1686-1750) leitete produzierende und den Aufbau neuer Betriebe sowie die Erkundung von Bodenschtzen. Er verfasste die erste Arbeit zur Geschichte Russlands und schrieb ber konomische Fragen.

Tatischtschew trat als Anhnger einer Politik der aktiven Handelsbilanz auf. Er schlug vor, den Zolltarif zu verndern und spezielle Tarife fr einzelne Hfen und Stdte einzufhren, den Import von Gold und Silber von Gebhren zu befreien, ebenso jene Rohstoffe, die nicht in Russland hergestellt wurden. Ebenso sollten der Transithandel erleichtert und die Messettigkeit erweitert werden.
Er forderte auerdem die Grndung von Banken zur Kreditierung von Industrie und Handel, die Entwicklung einer Kleinproduktion, den staatlichen Schutz fr Handel, Industrie und Landwirtschaft.
Tatischtschew war der Vorgnger von Lomonossow als Grnder der russischen Statistikwissenschaft. Er stellte einen statistisch-geografischen Fragebogen zusammen, der Fragen zu Handel, Industrie, Transportwegen usw. enthielt.
Eine besondere Rolle bei der Begrndung und Durchfhrung von wirtschaftlichen Umgestaltungen spielte Michail Wassiljiewitsch Lomonossow.

Historische Erluterung: Michail Wassiljiewitsch Lomonossow (1711 - 1765) wurde am 8. November 1711 im Dorf Michaninski nahe Holmogor als Sohn eines Fischers geboren. Lesen und Schreiben lernte er beim Dorfbewohner Iwan Schubsko und dem Kirchendiener Semjon Sabelnikow. Selbststndig eignete er sich nach Lehrbchern die Arithmetik und die slawische Grammatik an.
Danach studierte er an der Moskauer Slawisch-Griechisch-Lateinischen Akademie, an der Universitt der Petersburger Akademie der Wissenschaften sowie an der Marburger Universitt in Deutschland.
Er war Adjunkt fr Physik und Professor fr Chemie. Mit seinen Entdeckungen hat er fast alle Wissensbereiche bereichert.
Die Chemie hob er von einem Handwerk auf das Niveau einer Wissenschaft. Er entwickelte die Korpuskolartheorie und atomistische Vorstellungen ber den Aufbau der Materie. Er formulierte als Erster das Gesetz vom Erhalt der Materie und der Bewegung, baute verschiedene Gerte fr chemische Untersuchungen, organisierte die Korrektur von Landkarten, uerte die Vermutung ber die Existenz einer Atmosphre auf der Venus.
Einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung des russischen Wortschatzes und der Poesie leistete seine Lehre ber jene Stile - eine neue Theorie zu den Genres in der Literatur.
Lomonossow war der Geburtshelfer der russischen materialistischen Philosophie. Er hatte eigene Sichtweisen auf die Entwicklung der konomie und der Volkswirtschaft.


Im Mittelpunkt der konomischen Anschauungen Lomonossows stand die Frage ber die Sicherung der wirtschaftlichen Unabhngigkeit und politischen Selbstndigkeit Russlands.
Die Klrung dieser Frage verband er mit der allseitigen Entwicklung der einheimischen Produktion, insbesondere der Industrie.
Lomonossow uerte die Idee einer vorrangigen Entwicklung jener Zweige, die mit der Produktion und Verarbeitung von Schwarzmetallen verbunden sind. In dem Programm zur Entwicklung der Industrie lenkte er die Aufmerksamkeit auf die Ausdehnung der geologischen Erkundungen und eine umfassende Erschlieung der Naturreichtmer des Landes, einer rationalen Ansiedlung von Industrie, den Bau von Verkehrswegen, die Herstellung und den Einsatz von Maschinen, die handwerkliche Ausbildung der Bevlkerung, die Erschlieung des nrdlichen Seeweges.
Im Sinne einer Entwicklung der Industrie forderte er ihre Abschirmung vor der auslndischen Konkurrenz mittels Zoll-Protektionismus.
Lomonossow entwarf auch ein Programm zur Entwicklung der Landwirtschaft, das die Schaffung und Einfhrung verschiedener Bodenkulturen und die Verbesserung der Viehzucht einschloss.
Er setzte sich fr die Schaffung gnstiger Bedingungen fr die Entwicklung des Handels, insbesondere des Auenhandels, ein, den er als einen der Wachstumsfaktoren fr den Reichtum des Landes und den Wohlstand des Volkes betrachtete.
Als Grundlage des Handels sah er die einheimische Produktion an, deren Wachstum zur Entwicklung des Auen- und Binnenhandels fhrt. Lomonossow wies auf die Notwendigkeit der staatlichen Mitwirkung an seiner Entwicklung hin mit dem Ziel einer Aktivierung der Handelsbilanz des Landes.
Damit waren in den konomischen Ansichten Lomonossows merkantilistische Elemente vorhanden, aber es gab auch Unterschiede, die mit der eigenen Sichtweise auf die konomischen Prozesse verbunden war.
So bestand fr Lomonossow der Reichtum eines Landes im berfluss an notwendigen Dingen. Als Ziel der Wirtschaftspolitik nannte er das Wohlbefinden der Untertanen, die Befriedigung der materiellen Bedrfnisse der Bevlkerung.
Im Unterschied zu den Merkantilisten, legte er Wert auf eine vorrangige Entwicklung nicht der exportierenden Zweige der verarbeitenden, sondern der Grundstoffindustrie sowie der Metallurgie mit dem Ziel der Befriedigung der inneren Bedrfnisse des Landes. Er meinte, dass der Export nur bei inneren berschssen entwickelt werden solle.
Groe Bedeutung ma Lomonossow dem Studium der Volkswirtschaft bei. Mit diesem Ziel entwickelte er das Projekt einer politischen und konomischen Geografie Russlands, eines konomisch-geografischen Atlanten. Er regte die Grndung einer Reihe wissenschaftlicher Einrichtungen an.
Im Jahre 1755 wurde auf Initiative Lomonossows in Moskau die erste Universitt Russlands gegrndet, die zum Zentrum der russischen Wissenschaft wurde. Spter wurde die die Moskauer Staatliche Universitt nach Michail Lomonossow benannt.

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